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Lotus-See
Drikung Dharma Zentrum e.V.

Hamburg

unter der Schirmherrschaft von S.E.Ontul Rinpoche

Katharina Benthaus-Menzel
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Mahayana-Geistesschulung



Auszug aus den Belehrungen, die S.E. Ontul Rinpoche im September 2002 im Drikung Denshe Ling gegeben hat

PRAXIS DES ABSOLUTEN BODHICITTA

Anfänger üben sich im relativen Bodhicitta. Man meditiert über den eigenen Lama und verschmilzt ihn mit dem eigenen Herzen. Dann meditiert man über die "Vier Gedanken, die den Geist vom Samsara abwenden". Dies ist die Vorbereitung auf die Bodhicitta-Meditation; nach der Meditation sollte man das Sieben-Zweige-Gebet sprechen.

  1. Verehrung, Verbeugungen
  2. Opferungen, materiell oder geistig vorgestellt
  3. Bekennen der negativen Handlungen, Reue und das Versprechen, es nicht mehr zu tun
  4. Freude über das Heilsame der anderen
  5. Bitte, dass die Buddhas das Rad der Lehre drehen mögen
  6. Bitte, dass sie nicht jenseits von Samsara gehen mögen, bis alle Wesen befreit sind
  7. Widmung des Verdienstes.

Vor Einweihung oder Belehrung rezitiert man dies; wenn wir das bewusst tun, sammeln wir Verdienst an. Die Meditation beginnt mit Atembeobachtung. Wir atmen bewusst ein und aus und zählen die Atemzüge bis 21, wobei ein Aus- und ein Einatmen als eins gerechnet werden. Wenn wir das ohne Ablenkung tun können, so werden wir zum geeigneten Gefäß für die folgende Meditation:

Alles, was um uns erscheint, ist täuschende Manifestation des eigenen Bewusstseins. Es greift danach, als seien die Dinge real, es haftet daran, dass sie es seien. Wie man in einem Traum aufgrund einer Täuschung dennoch echte Traurigkeit und echte Freude fühlt, so ist es im Leben. Alles, was wir erfahren, traurig oder erfreulich, ist Täuschung durch den eigenen Geist.

Alles Wahrgenommene ist Projektion. wir untersuchen den Geist. Wie groß ist er, welche Form hat er, welche Farbe? Die "nackte" Natur des Geistes soll wahrgenommen werden. Dann sehen wir nichts. Der Geist hat keine wahrhafte Existenz. Was immer uns erscheint, Farben, Formen etc. sind nicht der Geist. Der Geist ist ungeboren, ungeschaffen. Wo verweilt er? Im Körper? Im Kopf? Man findet keinen Ort. Hört er auf? Geht er irgendwo hin? Man findet nichts.

Es heißt: "Am Anfang: ungeboren. In der Mitte: nirgend verweilend. Am Ende: nicht vergehend."

Diese Erkenntnis gilt es zu festigen. Dann kann man erkennen, dass alles und das eigene Ich leer ist.

"Hat diese Erkenntnis einen Nutzen?" denken wir dann, "es schadet ja nicht, aber nützt es?"

Wenn ein solcher entgegengesetzter Gedanke erscheint, schaut man ihn an und erkennt, dass auch dieser ohne eigene Substanz ist. Wenn man diesen Gedanken wiederum anschaut, was geschieht dann? Man befreit den entgegengesetzten Gedanken in sich selbst.

Das ist eine analytische Mediation.

Dann die verweilende Meditation: Das heißt, verweilen in der Natur des Geistes, der frei ist von sieben Arten von Bewusstsein, frei von Eigenschaften. Diese Basis aller Erscheinungen heißt Tathagatagarba. Sie wohnt allen fühlenden Wesen inne. Da sie auch unsere Grundlage ist, können wir überhaupt zur Erleuchtung kommen. Wenn wir davon reden, die Buddhaschaft zu erreichen, so ist das gemeint. Wir müssen nicht große Reisen machen, um das zu entdecken. Wir müssen nur manifestieren, was uns von jeher zu Grunde liegt. Außerhalb zu suchen ist so, als hätte man einen Elefanten im Haus und ginge in den Wald, um den Elefanten zu suchen.

Die Buddha-Natur ist frei von Ausschmückungen, sie ist klar. In dieser frei von Ausschmückungen gestalteten Natur ist nichts, worauf wir deuten können und sagen: "Das ist es".

Der Geist an sich ist frei von Anhaften und Greifen. Das bedeutet es, wenn man sich von den Gedanken nicht ablenken lässt. So verweilt man in dieser konzeptfreien Klarheit so lange wie möglich.

Klarheit: Damit ist nicht Helligkeit gemeint, sondern Transparenz, etwa so wie Wasser.

Wichtig ist, dass wir beide Arten von Meditation üben, die verweilende und die analytische. Wenn wir das realisiert haben, gibt es den Unterschied nicht mehr.

Nach dieser Übung kommt wieder das Sieben-Zweige-Gebet. Hiermit legen wir eine gute Grundlage, um die Natur des Geistes zu erkennen. Wenn wir analytische Meditation üben, entstehen gute Zeichen.

Wenn es heißt, dass man die Zwei Ansammlungen vollendet, bedeutet das nicht, dass man ein Paket bekommt, sondern diese Ansammlung von Verdienst ist gemeint. Auch Opfer und Rituale sind dazu da, um Verdienst anzusammeln. Wenn man einen angebrannten Topf reinigen will, genügt es auch nicht , wenn man ihn mit klarem Wasser spült. Man muss Seife nehmen und kratzen.

Ein Bettler praktizierte einst eine Reichtumsgottheit so lange, bis die Gottheit ihm erschien. Er fragte, warum er nicht Siddhis erlangt und noch keinen Reichtum erhalten hätte, und die Gottheit sagte: "Ich habe dir einen Tropfen Fett in deine Bettelschale gegeben, das entsprach dem Verdienst, den du angesammelt hast."

Man muss also die Ursachen schaffen, damit die Gottheit die Siddhis geben kann.

Es gibt höchste Siddhis und niedere. Die höchsten sind Verweilen in Mahamudra.

Nach der Meditation kehrt man in den Alltag zurück; dann sollte man in der Erfahrung verweilen.

PRAXIS DES RELATIVEN BODHICITTA

Basis ist die Übung des Gebens und Nehmens. Das geschieht auf der Grundlage von Liebe und Mitgefühl. Generell sollten wir Liebe und Mitgefühl für alle Wesen ohne Unterschied entwickeln. Zuerst wenden wir diesen Gedanken auf die eigene Mutter. Sie hat uns seit der Empfängnis gehütet und ernährt, sie hat uns unter Schmerzen geboren und uns gefüttert, gesäubert und gewärmt. Die Eltern haben uns gelehrt, was gut und was böse ist und haben uns gestoppt, wenn wir falsch handelten. So haben sie uns mit größter Güte behandelt.

Unzählige Mütter in allen früheren Leben haben so an mir gehandelt. Alle diese Wesen leiden im Samsara. Daher sollen wir den Wunsch entwickeln, sie mögen frei sein von Leiden. Man soll wahres Mitgefühl in der Tiefe seines Geistesstroms entwickeln. Wo immer wir Wesen leiden sehen, sollten wir über Liebe und Mitgefühl meditieren.

Dann meditieren wir über die drei niederen Bereiche von Samsara, wo die Wesen furchtbare Leiden erfahren. Wir entwickeln Mitgefühl für die Wesen in diesen Bereichen.

Dann meditieren wir über die Wesen, die viel negatives Karma ansammeln, wissend, dass sie noch viel schrecklichere Leiden in der Zukunft erfahren werden. Wir meditieren über Dämonen und Schadensstifter, die geistigen Schaden anrichten, und alle waren einst unsere Eltern und erfahren nun gegen ihren Willen Leid. Sie sammeln zugleich Ursachen für noch größeres Leid an. Darum verdienen sie unser Mitgefühl. Sie waren einmal unsere Eltern. Was also kann ich für sie tun? Zum einen: Ihnen keinen Schaden zufügen, zum zweiten: Sie zum Glück führen. Wir entwickeln also den Wunsch, ihnen zu nützen.

Danach folgt die

TONGLEN-MEDITATION, DAS GEBEN UND NEHMEN

Verblendung und Karma, die Ursachen von kommenden Leiden, die im Geist anderer sind, nehmen wir in uns auf. "Möge ich alle Leiden der Wesen auf mich nehmen." Alles, was wir haben, Besitz, den eigenen Körper, etc: "Wie schön, wenn die Wesen meinen Besitz und meinen Verdienst haben können."

Diese Meditation wird noch kraftvoller in Verbindung mit dem Atem. Beim Einatmen durch die Nase nehmen wir das Karma und die Leiden in Form von schwarzem Rauch in uns auf. Im Herzen verschmelzen wir das zu weißem Licht und atmen das wieder zu den Wesen aus, die es als Wohltaten, als Körper, Besitz, Verdienst und Glück erhalten. Und darüber freuen wir uns.
Das kann man immer machen, wenn man daran denkt, man atmet ja auch immer.
Der Grund, warum wir im Samsara sind, ist, dass wir immer alles Glück für uns wollten. Die Buddhas sind erleuchtet, weil sie immer nur das Glück der anderen wollten. Wir müssen also einen Tauschhandel machen: Das eigene Glück gegen das Leid der anderen.

Da wir eigenes Glück suchten, sind wir unglücklich geworden. Durch Trachten nach dem Glück für die anderen kommt die Erleuchtung.

Manche haben Angst davor, das eigene Glück wegzugeben, aber das muss man nicht.

Leid kommt durch Hoffnung auf Gutes und Angst vor dem Schlechten. Wenn wir das üben, was eben erklärt wurde, kommt keinerlei Schaden auf uns zu. Schadensgeister mögen es nicht, wenn wir immer an uns selber denken, und schaden uns dann auch. Wenn sie aber sehen, dass wir ihre Freunde sind, dass wir in Liebe an sie denken und ihnen alles Gute wünschen, dann schaden sie uns nicht.

Nach der Meditation sollen wir folgendes wissen: Wenn wir an einen schönen Ort gehen, haften wir daran, und wenn wir an einen hässlichen Ort gehen, empfinden wir Widerwillen; ist er neutral, so reagieren wir gleichgültig. Diese drei Empfindungen sind Ausdruck der drei Geistesgifte: Begierde, Hass und Unwissenheit. Wir entwickeln sie ständig durch Kontakte mit den drei Arten von Objekten. Dies gilt es zu erkennen.

Wenn wir Anhaftung erkennen, wünschen wir, dass die Anhaftung aller Wesen mit meiner verschmelzen möge. "Möge ich stellvertretend für die Anhaftung der Wesen damit verbunden sein, mögen sie frei sein!"

Wie es die Khadampa-Geshes sagten: "Die Siege gebe ich den Wesen, die Niederlagen nehme ich auf mich."



weiter: Dharmapraxis

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