|
Dharmapraxis |
![]() |
||||||||||||
2009 hat Seine Eminenz Ontul Rinpoche uns das Heilungs-Chöd gelehrt.Chöd ist eine Praxis, die in Tibet seit rund tausend Jahren verbreitet ist. Die große Praktizierende Machik Labdönma ist die bekannteste Vertreterin dieser Tradition. Es handelt sich um ein Opferritual, bei dem jedoch keine Reichtümer dargebracht werden, auch keine gewöhnlichen Opfergaben wie Obst, Kuchen oder Blumen. Sondern der Yogi arbeitet mit dem eigenen Geist und seinen Inhalten. Darum nennt man Chöd das Bettleropfer. Es wird oft auch an einsamen Plätzen durchgeführt, sogar an Orten des Schreckens wie Leichenäckern. Hier wurde der Yogi in Tibet ungleich härter mit den Fakten der Vergänglichkeit konfrontiert, als man es sich bei uns vorstellen kann, wo Krankheit und Tod abgeschottet stattfinden. Chöd hingegen hat Furchtlosigkeit zum Ziel. Chöd heißt "abschneiden". Der Yogi schneidet sich selbst von seinen Anhaftungen an den eigenen Körper ab, indem er bewußt die Orte des Schreckens aufsucht und die Projektionen, die während der Praxis auftauchen, als solche erkennt. Chöd entstand nicht zufällig in einem Land, das in hohem Maße von Dämonenglaube geprägt war. Der Ansatz der hochstehenden Weisen Tibets war im Gegensatz hierzu sehr modern und aufklärerisch: Dämonen sind zum allergrößten Teil Projektionen des eigenen Geistes. Als solche können sie erkannt und befriedet werden, indem man diesen verdrängten Anteilen des eigenen Selbst gibt, was sie brauchen, ohne sich aber im geringsten an sie auszuliefern. "Der Körper ist für den Verfall gemacht", heißt es im Chöd, aber der Yogi triumphiert, indem er mit seiner Großzügigkeit alle Nöte lindert. Chödpa, also Praktizierende des Chöd, waren in Tibet beliebt, weil man annahm, daß ihre Praxis Krankheiten vertreiben kann. Sie wurden auch oft zu diesem Zweck eingeladen. |
||||||||||||||
|
|