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Bodhicaryavatara
ausgewählte Verse, übersetzt von Corinna Chung
Mai/Juni 1992
Opferung und Bekenntnis
Am Anfang vernichtet er das Böse.
In der Mitte beseitigt er das Ich.
Am Ende zerstört er alle Konzepte:
So geht der Weise vor.
1
Um den Erleuchtungsgeist, den kostbaren Edelstein, zu erringen,
erweise ich den Buddhas, dem reinen Juwel der erhabenen Lehre
und den Buddhasöhnen, dem Ozean von Verdienst, meine Verehrung.
2
Alle Blumen und Früchte und aromatische Speisen,
alle Schätze der Welt;
reines Wasser von gutem Geschmack;
Berge aus kostbaren Steinen; bezaubernde Orte im Walde,
geeignet zur Meditation, Kletterpflanzen,
von Blüten in Fülle bedeckt, Bäume,
gebeugt von der Last ihrer Früchte,
Düfte der Götter- und Menschenwelt,
Wunschbäume, Juwelenbäume, lotusbedeckte Weiher, verzaubert von Stimmen der Schwäne,
wilde Kräuter und angepflanzte,
aller noble Schmuck, der die Weite des Himmelsraumes erfüllt,
und auch das, was niemand besitzt, dies alles nehme ich im Geiste
und opfere den Buddhas und ihren Söhnen.
Ach, daß sie es annähmen, sie sind würdig der allerbesten Gaben,
jene, die voll Mitgefühl für mich sind!
Die unendliche Vielfalt der Wesen und Welten
ist Manifestation des Geistes;
das Spiel des Karma bringt alle Wesen hervor.
24
So viele Atome es in den Reinen Ländern der Buddhas gibt,
so viele Male will ich mich vor den Buddhas der drei Zeiten,
der Lehre und der Erhabenen Gemeinschaft niederbeugen.
26
Bis ich die Essenz der Erleuchtung erreiche, nehme ich Zuflucht zum Buddha; ich nehme Zuflucht zur Lehre und der Gemeinschaft der Bodhisattvas.
34
Den Tod kümmert nicht,
was wir bereits getan haben und was noch zu tun blieb.
Ob krank oder gesund, wir können ihm nicht trauen.
Unvermutet beendet er unser Leben.
35
Was mich erfreut, was mir mißfällt zahllose Male trieb es mich an,
das Unheilsame zu tun.
Daß ich eines Tages fortgehen und alles zurücklassen muß,
erkannte ich nicht.
36
Die mir unangenehm sind, werden nicht mehr sein;
die mir lieb sind, werden nicht mehr sein;
ich selber werde nicht mehr sein; nichts wird mehr sein.
39
Nur vorübergehend sind wir auf dieser Erde -- das sah ich nicht ein.
Verwirrung, Lust und Haß verleiteten mich, viele Untaten zu begehen.
48
Von nun an wende ich mich den mächtigen Beschützern der Welten zu,
den Siegreichen, die sich dem Schutz des Universums widmen
und die alle Ängste zerstreuen.
Er wurde ein Mensch im vollen Sinne und weiß den Weg,
das Glück der Wesen zu verwirklichen.
Ich verneige mich vor dem Buddha,
dem zur Glückseligkeit Vorangeschrittenen, dem Beschützer.
Ist der wichtigste Punkt getroffen, so ist alles Übrige nebensächlich.
Ihr Mönche, wie man Gold anfeilt, um seine Reinheit zu bestimmen,
so sollt ihr aufmerksam meine Worte prüfen.
Einzig aus Respekt nimmt der Weise eine Lehre nicht an.
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